FEHLERSUCHANLEITUNG
Opel Movano B (Bj. 2012) – Fahrzeug startet nicht, Zündung lässt sich nicht einschalten
Systematische Fehlersuche für die Werkstatt: Durchgebrannte Sicherung im Sicherungs-/Relaisträger Motorraum, BCM-Reset ohne Erfolg – Eingrenzung der Ursache entlang der Zündungsplus-Versorgung (Klemme 15).
1 Fahrzeugdaten und Störungsbild
Fahrzeug | Opel Movano B (Typ X62), baugleich Renault Master III / Nissan NV400 |
Baujahr | 2012 |
Motor | 2.3 CDTI (Renault M9T) |
Störungsbild | Zündung lässt sich nicht einschalten (keine Kontrollleuchten im Kombiinstrument), Fahrzeug startet nicht |
Bisheriger Befund | Sicherung im Sicherungs-/Relaisträger Motorraum durchgebrannt; BCM (UCH) zurückgesetzt – Ursache des Überstroms noch nicht gefunden |
Ziel der Anleitung | Ursache des Überstroms bzw. der Unterbrechung in der Klemme-15-Kette systematisch eingrenzen und dauerhaft beheben |
Stand | 01.09.2026 – Version 1.0 – TB-Service24 GmbH, Werkstatt Hagen |
2 Sicherheitshinweise
SICHERHEIT
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3 Grundlagen für die Fehlersuche
FUNKTIONSPRINZIP So wird Zündungsplus (Klemme 15) beim Movano B geschaltet: Zündschloss-Kontaktteil → UCH/BCM (Innenraum-Steuergerät) → Sicherungs-/Relaisträger Motorraum (Relais Zündungsplus) → Sicherungen Zündungsplus → Kombiinstrument, Motorsteuergerät und weitere Verbraucher. Fällt ein Glied dieser Kette aus, bleiben alle nachgeschalteten Sicherungen spannungslos, obwohl sie intakt sind. Das reine Prüfen der Sicherungen reicht deshalb nicht aus – die Spannung muss an jedem Glied der Kette gemessen werden, um die Unterbrechung zu lokalisieren. |
ACHTUNG Eine durchgebrannte Sicherung ist ein Symptom, keine Ursache. Sie brennt nur durch, wenn zu viel Strom fließt: Kurzschluss nach Masse, defekter Verbraucher, Verpolung oder ein Übergangswiderstand mit Hitzeentwicklung am Sicherungskontakt. Wird die Sicherung nur ersetzt, brennt sie entweder sofort wieder durch oder der Fehler kehrt sporadisch zurück. Ein BCM-Reset setzt ausschließlich den Softwarezustand zurück und behebt keinen Hardwarefehler. Ziel ist es, den betroffenen Stromkreis und den Verursacher zu finden – erst dann ist die Reparatur abgeschlossen. |
4 Einbauorte am Fahrzeug
Bauteil | Einbauort | Hinweis |
Batterie | Unter der Einstiegsstufe der Fahrertür (Abdeckung abnehmen) | Sicherungsträger am Pluspol mit Streifensicherungen mitprüfen; Bereich ist Feuchtigkeit und Streusalz ausgesetzt |
Sicherungs-/Relaisträger Motorraum (UPC) | Rechte Motorraumseite unter dem Kühlmittel-Ausgleichsbehälter | Ausgleichsbehälter aushängen, Träger nach Lösen der Schrauben hochklappen; enthält Maxi-/Streifensicherungen und Relais |
Sicherungskasten Innenraum | In der Instrumententafel auf der Fahrerseite hinter einer Abdeckung | Sicherungen für Innenraumverbraucher, Kombiinstrument und Steuergeräteversorgung; Belegung laut Betriebsanleitung |
UCH / BCM (Innenraum-Steuergerät) | Hinter der Instrumententafel Fahrerseite im Bereich des Innenraum-Sicherungskastens | Mehrere Steckverbinder; Wegfahrsperre ist in der UCH integriert |
Zündschloss / Kontaktteil | An der Lenksäule; elektrisches Kontaktteil (Zündstartschalter) rückseitig am Lenkschloss | Kontaktteil ist in der Regel separat ersetzbar, keine Programmierung erforderlich |
Diagnoseanschluss (OBD) | Fahrerseite unterhalb der Instrumententafel | Pin 16 Dauerplus, Pin 4 und 5 Masse, Pin 6/14 CAN-High/CAN-Low |
Massepunkte | Batterie–Karosserie (Bereich Einstieg), Motor–Karosserie (Masseband), Karosserie-Massepunkte im Motorraum und im Fußraum | Auf Korrosion, lose Schrauben und gebrochene Litzen prüfen |
5 Benötigte Prüfmittel
- Digitalmultimeter (Gleichspannung, Durchgang, Widerstand)
- Kurzschluss-Prüflampe: Glühlampe 21 W mit Anschlussleitungen für den Sicherungssteckplatz
- Batterietester (Lasttest)
- Diagnosegerät mit Zugriff auf UCH, Motorsteuergerät und Kombiinstrument (Renault CLIP – gilt auch für den Movano B – oder geeignetes Mehrmarkengerät)
- Ersatzsicherungen: Flachsicherungen sowie Maxi-/Streifensicherungen in den verbauten Nennwerten
- Kontaktspray, Polfett, Isolierband, Schrumpfschlauch, Scheuerschutz, Kabelbinder
- Taschenlampe, Spiegel, Endoskop für die Kabelbaumkontrolle
- Fahrzeugspezifischer Sicherungsbelegungsplan (Betriebsanleitung bzw. Aufkleber im Deckel des Sicherungsträgers)
6 Prüfablauf
Die Prüfschritte bauen aufeinander auf: Zuerst wird das Fehlerbild eingegrenzt, anschließend wird – von der Batterie ausgehend – in Stromrichtung geprüft. Jeder Abschnitt endet mit einer Bewertung, die den nächsten Prüfschritt festlegt.
6.1 Fehlerbild eingrenzen
- Dauerplus-Verbraucher prüfen: Innenleuchte, Warnblinkanlage, Zentralverriegelung, Fensterheber, Radio, Hupe. Funktioniert nichts davon, liegt die Störung in der Dauerplus-Versorgung (Batterie, Streifensicherungen, Polklemmen, Masse) – weiter mit 6.2.
- Funktionieren die Dauerplus-Verbraucher, aber die Zündung geht nicht an, liegt die Störung in der Klemme-15-Kette – weiter mit 6.3 bis 6.6.
- Schlüssel prüfen: Lässt sich der Schlüssel bis Stellung II drehen? Zweitschlüssel testen. Ist das Lenkradschloss verspannt (Lenkrad beim Drehen des Schlüssels leicht hin- und herbewegen)?
- Vorgeschichte klären: Batterie tiefentladen? Starthilfe gegeben oder Ladegerät angeschlossen (Verpolung)? Kürzlich Leuchtmittel (LED), Radio, Anhänger-E-Satz, Telematik oder andere Verbraucher nachgerüstet? Wasser im Fahrzeug bemerkt? Ausfall nach Wäsche oder Starkregen?
- Sichtprüfung Fahrerfußraum: Teppich anheben, auf Feuchtigkeit, Wasserränder und Korrosion prüfen.
BEWERTUNG Das Ergebnis bestimmt den Einstiegspunkt der weiteren Prüfung. Sind Nachrüstungen vorhanden, zuerst deren Anschlüsse vollständig abklemmen und das Fehlerbild erneut bewerten – nachgerüstete Verbraucher sind eine der häufigsten Ursachen für durchgebrannte Sicherungen. |
6.2 Batterie und Hauptstromversorgung
- Abdeckung der Einstiegsstufe Fahrertür abnehmen. Ruhespannung der Batterie messen: ab 12,5 V in Ordnung; 12,2–12,5 V nachladen; unter 12,2 V nachladen und Batterietest (Lasttest) durchführen.
- Polklemmen auf festen Sitz, Korrosion und Säurespuren prüfen. Klemmen reinigen, nachziehen und mit Polfett schützen.
- Sicherungsträger am Batteriepluspol: alle Streifensicherungen mit dem Multimeter auf Durchgang prüfen (eine Sichtprüfung reicht nicht aus). Muttern auf festen Sitz, Kontakte auf Korrosion und Brandspuren prüfen.
- Massepfad prüfen: Masseband Batterie–Karosserie und Masseband Motor–Karosserie auf gebrochene Litzen, Grünspan und lose Schrauben kontrollieren. Spannungsabfallmessung zwischen Batterie-Minuspol und Motorblock bzw. Karosserie: Beim Einschalten eines starken Verbrauchers (Abblendlicht und Gebläse; Anlassversuch, sobald möglich) darf der Wert 0,2 V nicht überschreiten.
- Pluspfad prüfen: Spannungsabfall zwischen Batterie-Pluspol und Eingang des Sicherungs-/Relaisträgers Motorraum unter Last ebenfalls maximal 0,2 V.
- Batteriekasten auf Wasser, Schlamm und Korrosion prüfen. Kabelbaum im Bereich der Einstiegsstufe auf Scheuerstellen und Marderbiss kontrollieren.
- Fahrzeuge mit Aufbau (Kühlaggregat, Ladebordwand, Zweitbatterie, Ladebooster, Batterietrennschalter): Stellung des Trennschalters prüfen, Aufbau-Verbraucher abklemmen und Fehlerbild erneut prüfen.
BEWERTUNG Sind Spannung, Streifensicherungen, Pol- und Masseverbindungen in Ordnung, ist die Dauerplus-Versorgung als Ursache ausgeschlossen. Weiter mit 6.3. |
6.3 Durchgebrannte Sicherung – Stromkreis und Verursacher ermitteln
- Nummer, Nennwert und Belegung der durchgebrannten Sicherung laut Aufkleber im Deckel bzw. Betriebsanleitung notieren. Daraus ergibt sich, welche Verbraucher und Leitungsabschnitte im betroffenen Stromkreis liegen.
- Sicherung mit identischem Nennwert ersetzen. Zündung einschalten und die Verbraucher des Stromkreises betätigen.
- Sicherung brennt sofort wieder durch: satter Kurzschluss nach Masse im Stromkreis – weiter mit Schritt 5.
- Sicherung hält: sporadischer Fehler (Scheuerstelle, Wackelkontakt, Feuchtigkeit). Wackeltest durchführen: Kabelbaum im Motorraum, an der Stirnwanddurchführung, an der Lenksäule und in der Türdurchführung bewegen, Lenkrad drehen, Türen öffnen und schließen, Verbraucher nacheinander schalten.
- Prüflampenmethode: Anstelle der Sicherung die Kurzschluss-Prüflampe (21 W) einsetzen. Leuchtet sie hell, besteht der Kurzschluss. Jetzt Verbraucher und Steckverbinder des Stromkreises nacheinander abstecken; erlischt die Lampe, ist der Verursacher bzw. der betroffene Kabelbaumabschnitt gefunden. Vorteil: Es werden keine Sicherungen verbraucht, und der Wackeltest ist bei brennender Lampe möglich.
- Sicherungssteckplatz im Träger auf Brandspuren, Verfärbung und aufgeweitete Kontaktfedern prüfen. Ein Übergangswiderstand am Kontakt erzeugt Hitze und kann die Sicherung auch ohne Kurzschluss auslösen.
- Ist die Sicherung nach einer Starthilfe, einer Tiefentladung oder dem Anschluss eines Ladegeräts durchgebrannt: Verpolung als Ursache annehmen, alle Sicherungen sowie die Funktion der Steuergeräte prüfen.
STOPP Sicherung nicht wiederholt auf Verdacht ersetzen. Brennt sie ein zweites Mal durch, ausschließlich mit der Prüflampenmethode weiterarbeiten. Keinesfalls einen höheren Nennwert einsetzen. |
6.4 Sicherungs-/Relaisträger Motorraum (UPC)
- Kühlmittel-Ausgleichsbehälter aushängen, Befestigungsschrauben des Trägers lösen und Träger hochklappen bzw. wenden.
- Unterseite und Steckverbinder prüfen: Feuchtigkeit, Grünspan, verschmorte oder verfärbte Kontakte, lose Hauptstromanschlüsse, gebrochene Rastnasen. Alle Steckverbinder abziehen (Batterie abgeklemmt), Kontakte prüfen und bis zur Verriegelung wieder aufstecken.
- Alle Maxi- und Streifensicherungen im Träger mit dem Multimeter auf Durchgang prüfen.
- Relais prüfen: Relais Zündungsplus/Hauptrelais mit einem baugleichen Relais aus dem Träger kreuztauschen (z. B. Nebelscheinwerfer). Beim Einschalten der Zündung auf das Schaltgeräusch achten, Relaissockel auf Brandspuren prüfen.
- Spannungsmessung am Träger: Dauerplus (Klemme 30) am Eingang vorhanden? Steuersignal der UCH am Relais Zündungsplus bei Schlüsselstellung II vorhanden? Klemme 15 am Ausgang bzw. an den Zündungsplus-Sicherungen vorhanden?
- Liegt das Steuersignal an, wird Klemme 15 aber nicht durchgeschaltet: Träger intern defekt. Beim Master III / Movano B ist dies nach Kurzschlüssen (z. B. durch LED-Leuchtmittel oder falsch angeschlossene Nachrüstverbraucher) bekannt.
ACHTUNG Ersatzträger sind fahrzeugspezifisch – Teilenummer des verbauten Trägers exakt vergleichen. Je nach Ausführung ist nach dem Tausch eine Codierung mit dem Diagnosegerät erforderlich. |
6.5 Zündschloss / Zündstartschalter (Kontaktteil)
Beim Movano B / Master III ist das elektrische Kontaktteil am Lenkschloss eine bekannte Schwachstelle: Der Schlüssel dreht mechanisch, Klemme 15 wird aber nicht mehr geschaltet.
- Verkleidung der Lenksäule abnehmen. Steckverbinder am Kontaktteil prüfen: Schmorstellen, verfärbte Pins, aufgeweitete Kontakte, Kabelbruch am Steckerabgang.
- Dauerplus (Klemme 30) am Eingang des Kontaktteils messen.
- Bei Schlüsselstellung II das Ausgangssignal (Klemme 15 bzw. Signal „Zündung ein“ zur UCH) messen, bei Stellung III das Startsignal (Klemme 50). Fehlt das Signal trotz anliegendem Dauerplus, ist das Kontaktteil defekt.
- Kontaktteil ersetzen. Es ist in der Regel separat vom Lenkschloss lieferbar; eine Programmierung ist nicht erforderlich. Anschließend Funktion prüfen.
- Mechanik prüfen: schwergängiger Schließzylinder, abgenutzter Schlüssel, verspanntes Lenkradschloss. Bei Bedarf Zweitschlüssel verwenden.
6.6 Innenraum-Sicherungskasten und UCH / BCM
- Innenraum-Sicherungskasten öffnen. Alle Sicherungen mit dem Multimeter auf Durchgang prüfen, insbesondere die Versorgungssicherungen von UCH, Kombiinstrument und Diagnoseanschluss.
- Feuchtigkeit: Bereich unterhalb des Sicherungskastens, Fußraum, Kabelbaum und Stecker auf Wasserspuren, Kalkränder und Grünspan prüfen. Wassereintritt über die Windschutzscheibendichtung oder verstopfte Abläufe im Wasserkasten kann bis in den Sicherungskasten und an die UCH gelangen. Abläufe reinigen und die Eintrittsstelle abstellen.
- Steckverbinder der UCH abziehen (Batterie abgeklemmt): Pins auf Korrosion, zurückgedrückte oder verbogene Kontakte und Schmorstellen prüfen. Stecker reinigen, trocknen und bis zur Verriegelung wieder aufstecken.
- Versorgung der UCH messen: Dauerplus an den Versorgungspins, Masse, Signal vom Zündschloss bei Stellung II. Fehlt Dauerplus oder Masse, die Leitung bis zur Sicherung bzw. zum Massepunkt zurückverfolgen.
- Reset: Der bereits durchgeführte BCM-Reset (Batterie mindestens 10 Minuten abgeklemmt) setzt nur den Softwarezustand zurück. Bleibt die Störung bestehen, ist ein Hardwarefehler anzunehmen (Versorgung, Stecker, Wasserschaden, UCH intern).
- Ist die Versorgung vollständig vorhanden, kommt das Zündschlosssignal an, die UCH schaltet Klemme 15 aber nicht durch und ist per Diagnose nicht erreichbar: UCH defekt.
ACHTUNG Die UCH enthält die Wegfahrsperre. Ein Ersatzgerät muss mit dem Diagnosegerät konfiguriert werden, und die Schlüssel müssen angelernt werden. Kein Gebrauchtteil ohne Programmierung einbauen. |
6.7 Kabelbaum und typische Kurzschlussstellen
Die folgenden Bereiche sind beim Movano B bevorzugt zu prüfen, wenn ein Kurzschluss gesucht wird:
- Motorraum: Marderbiss an Zuleitungen zum Sicherungsträger, Massebändern und Sensorleitungen; Kabelbaum an heißen Bauteilen (Abgasanlage, Turbolader) angeschmort.
- Stirnwanddurchführung Motorraum–Innenraum: Scheuerstellen an der Karosseriekante, verrutschte Tüllen.
- Lenksäule: Kabelbaum wird bei jeder Lenkbewegung und Höhenverstellung mitbewegt.
- Türdurchführung Fahrertür: Kabelbrüche in der Gummitülle (Fensterheber, Spiegel, Lautsprecher, Zentralverriegelung).
- Einstiegsstufe / Batteriekasten: Feuchtigkeit, Streusalz, Korrosion an Kabelschuhen und Steckern.
- Kabelbaum entlang Rahmen und Unterboden: Steinschlag, Wasser, Korrosion in der Anhängersteckdose und an den Heckleuchten.
- Nachgerüstete Verbraucher: Anhänger-E-Satz, LED-Leuchtmittel, Ladebordwand, Kühlaggregat, Standheizung, Telematik/Ortungsgerät, Funk, Zusatzscheinwerfer, Radio/Navi, Alarmanlage. Angezapfte Leitungen (Stromdiebe), Verbindungen ohne eigene Absicherung, Klemmstellen mit Masseschluss.
- Verbraucher mit internem Kurzschluss im betroffenen Stromkreis: z. B. Generator (Diode, B+-Anschluss), Anlasser-Magnetschalter, Wischer- oder Gebläsemotor, Magnetventile, Steuergerät.
HINWEIS Vorgehen: Zuerst alle Nachrüstverbraucher vollständig abklemmen und das Fehlerbild neu bewerten. Erst danach den Serienkabelbaum abschnittsweise mit der Prüflampenmethode eingrenzen – Steckverbinder trennen, Lampe beobachten, Abschnitt für Abschnitt weiter Richtung Verbraucher. |
6.8 Diagnosegerät und Fehlerspeicher
- Spannung an der Diagnosebuchse messen: Pin 16 Dauerplus, Pin 4 und 5 Masse. Fehlt Dauerplus, ist die zugehörige Sicherung bzw. Versorgung gestört – ohne diese Spannung ist keine Kommunikation möglich.
- Mit dem Diagnosegerät alle Steuergeräte abfragen: UCH, Motorsteuergerät, Kombiinstrument, ABS/ESP, Airbag.
- Kein Steuergerät erreichbar: Versorgung, Masse und CAN-Bus prüfen (CAN-High/CAN-Low an Pin 6/14, Widerstand zwischen beiden Leitungen bei abgeklemmter Batterie ca. 60 Ohm).
- Nur die UCH ist nicht erreichbar: Versorgung der UCH prüfen (6.6) bzw. UCH defekt.
- Fehlerspeicher aller Steuergeräte auslesen und dokumentieren: Unterspannung, Versorgung Klemme 15/30, Wegfahrsperre, CAN-Kommunikation, Zündschalterstellung.
- Ist-Werte der UCH prüfen: Wird die Zündschalterstellung „Zündung ein“ erkannt? Nein → Zündschloss/Leitung (6.5). Ja, aber Klemme 15 wird nicht geschaltet → UCH-Ausgang, Relais oder Sicherungsträger Motorraum (6.4).
6.9 Wegfahrsperre (nur wenn die Zündung anliegt, aber kein Start erfolgt)
- Wegfahrsperrenleuchte beobachten: Blinkt sie schnell oder leuchtet sie nach dem Einschalten der Zündung dauerhaft, wird der Schlüssel nicht erkannt.
- Zweitschlüssel testen; Schlüssel mit beschädigtem Transponder ausschließen.
- Ringantenne (Transponderspule) am Zündschloss auf Beschädigung und Steckverbindung prüfen.
- Mit dem Diagnosegerät Schlüsselstatus und Schlüsselanzahl auslesen; bei Bedarf Schlüssel neu anlernen.
6.10 Weitere Möglichkeiten
- Kombiinstrument defekt: Die Zündung ist tatsächlich eingeschaltet (Wischer, Gebläse, Bremsleuchten, Rückfahrleuchte funktionieren), nur die Anzeige bleibt dunkel → Sicherung und Versorgung des Kombiinstruments, CAN-Verbindung prüfen.
- Verpolung: Nach falscher Starthilfe sind häufig mehrere Sicherungen und Steuergeräte betroffen; alle Sicherungen prüfen und Fehlerspeicher auslesen.
- Steuergerät mit internem Kurzschluss (z. B. Motorsteuergerät, Airbag-Steuergerät, Klimabedienteil), das die gemeinsame Sicherung auslöst → mit der Prüflampenmethode einzeln abstecken.
- Massepunkte im Innenraum (A-Säule, Fußraum, hinter der Instrumententafel) korrodiert oder nach früheren Arbeiten nicht wieder angeschlossen.
- Frühere Reparaturen: Stecker nicht verriegelt, Kabel beim Einbau von Verkleidungen oder Sitzen eingeklemmt.
- Zündschloss mechanisch beschädigt: Einbruchversuch, abgebrochener oder stark abgenutzter Schlüssel.
- Nachgerüstete Alarmanlage oder zweite Wegfahrsperre: unterbricht Klemme 15 über ein Relais im Innenraum-Kabelbaum.
7 Prüfmatrix – Kurzübersicht
Fehlerbild | Wahrscheinliche Ursache | Prüfung / Maßnahme | Abschnitt |
Fahrzeug komplett tot (auch Innenleuchte und Warnblinker ohne Funktion) | Batterie, Streifensicherung am Pluspol, Polklemme, Masseband | Ruhespannung, Durchgang der Streifensicherungen, Spannungsabfall Plus- und Massepfad | 6.2 |
Dauerplus-Verbraucher in Ordnung, keine Zündung, Sicherung brennt sofort durch | Kurzschluss im Stromkreis der Sicherung, Nachrüstverbraucher, Scheuerstelle, defekter Verbraucher | Prüflampenmethode, Verbraucher nacheinander abstecken, Kabelbaum prüfen | 6.3, 6.7 |
Dauerplus-Verbraucher in Ordnung, keine Zündung, Sicherung hält | Kontaktteil Zündschloss, UCH-Versorgung/-Stecker, Relais oder Träger Motorraum | Spannungsmessung entlang der Klemme-15-Kette | 6.4 – 6.6 |
Sicherung brennt nur sporadisch durch | Wackelkontakt, Scheuerstelle, Feuchtigkeit, Marderbiss | Wackeltest mit Prüflampe, Feuchtigkeitsprüfung | 6.3, 6.7 |
Zündung an, Kombiinstrument bleibt dunkel | Sicherung/Versorgung Kombiinstrument, Kombiinstrument, CAN | Sicherung, Spannung am Stecker, Diagnose | 6.10 |
Zündung an, Wegfahrsperrenleuchte blinkt, kein Start | Schlüssel/Transponder, Ringantenne, UCH | Zweitschlüssel, Ringantenne, Diagnose | 6.9 |
Keine Kommunikation mit dem Diagnosegerät | Dauerplus an OBD-Buchse fehlt, Versorgung UCH, CAN-Bus | Spannung Pin 16, Masse Pin 4/5, CAN-Widerstand messen | 6.8 |
Störung nach Tiefentladung oder Starthilfe | Verpolung, Spannungsspitze, Steuergeräteschaden | Alle Sicherungen, Fehlerspeicher, UCH und Träger prüfen | 6.3, 6.8 |
8 Abschluss und Dokumentation
- Ursache dokumentieren: betroffene Sicherung (Nummer, Nennwert, Stromkreis), Verursacher, Fundort, ausgetauschte Teile mit Teilenummern, Messwerte.
- Reparaturstelle dauerhaft instand setzen: Leitungen löten oder mit Stoßverbindern verbinden, Schrumpfschlauch, Scheuerschutz, Kabelbaum befestigen. Nachrüstverbraucher nur über eigene Absicherung anschließen.
- Sicherung endgültig mit korrektem Nennwert einsetzen. Alle Abdeckungen, Ausgleichsbehälter und Batterieabdeckung montieren, Polklemmen festziehen.
- Nach dem Abklemmen der Batterie: Uhrzeit einstellen, Fensterheber-Automatik initialisieren, bei Bedarf Radio-Code eingeben.
- Fehlerspeicher aller Steuergeräte löschen, Zündung mehrfach ein- und ausschalten, Motor starten, alle Verbraucher betätigen, Probefahrt durchführen, Fehlerspeicher erneut auslesen.
- Erkenntnisse in die Wissensdatenbank (Freshdesk) übernehmen – insbesondere, wenn eine Nachrüstung oder ein Wasserschaden die Ursache war.
ABSCHLUSSKRITERIEN Reparatur abgeschlossen, wenn: die Zündung zuverlässig schaltet, keine Sicherung mehr auslöst, nach der Probefahrt kein Fehlerspeichereintrag vorliegt und die Ursache dokumentiert ist. |
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